9. Branchentag Windenergie NRW: Zum Mond schießen

Es war Herrmann Albers, der beim 9. Branchentag Windenergie NRW die schönste Formulierung fand: „Man müsste Herrn Lindner mal zum Mond schießen.“ Albers hat die Hoffnung, dass er dann erkennen würde, wie zerbrechlich unsere Erde ist. Ich selbst begleitete den Branchentag NRW als Moderatorin.


Branchentag Windenergie NRWDer 9. Branchentag Windenergie NRW fanden am 28. und 29. Juni in Düsseldorf statt – genau einen Tag nachdem Armin Laschet zum Ministerpräsidenten der neuen schwarz-gelben Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) gewählt worden war. Und so war es keine Frage, dass die Eröffnung des etablierten Branchenevents voll im Zeichen des politischen Umbruchs in NRW stand.

Noch-Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Aus der neuen Regierungskoalition war niemand für eine spontane Teilnahme zu gewinnen. Und so war es an den Verbandsoberhaupten der Windenergiebranche, den politischen Diskurs aufzugreifen, den Armin Laschet (CDU) und vor allem Christian Lindner (FDP) in den Tagen zuvor angeheizt hatten. Neue Windenergieanlagen sollen künftig einen Mindestabstand von 1.500 Metern zur Wohnbebauung haben. „Wir werden in Nordrhein-Westfalen die restriktivste Regelung haben“, kündigte Linder an und wetterte in diversen Pressekonferenzen munter gegen die Windenergiebranche. Zum Unmut ebendieser.

Das eindrücklichste Bild und den deutlichsten Appell fand im Van der Valk Hotel in Düsseldorf Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Er verglich Laschet und Lindner mit zwei Astronauten. „Man müsste Lindner mal zum Mond schießen“, sagte Albers. Dabei ging es ihm nicht darum, Lindner loszuwerden, sondern darum, dass der FDP-Politiker so die wertvollen Erfahrungen sammeln könnte, die Astronauten machten, wenn sie ins Weltall fliegen: zu erkennen, wie zerbrechlich unsere Erde und wie wichtig deswegen der Klimaschutzes ist. Anschließend dürfte Lindner dann auch gerne zurückkommen, so Albers.

Neben den aktuellen politischen Entwicklungen bekam das Thema Cyberkriminalität prominenten Raum beim Branchentag NRW. Wer den Vortrag von Götz Schartner von 8com gehört hat, der weiß, dass Virenscanner und Firewall längst nicht mehr ausreichen, um Unternehmen vor Cyberattacken zu schützen. Weil aber vollumfänglicher Schutz in Zeiten, in denen selbst das Handy der Kanzlerin abgehört werden kann, unmöglich ist, lassen sich Restrisiken inzwischen selbstverständlich auch über Versicherungen abdecken.

Ich selbst moderierte auf dem 9. Branchentage Windenergie NRW spannende Vorträge und Workshops zu den Themen Drohnen, Schall, Rotorblatt-Modifikationen, Bodengutachten, Schmierstoffe, Schraubtechnik, Industrierichtlinien und Netzstabilität.