WindEurope-Konferenz in Amsterdam: Herbst-Blues

Die WindEurope-Konferenz in Amsterdam lockte die Branche dieses Jahr nach Holland. Die Aussteller- und Besucherzahlen waren schon besser, die Stimmung auch. Aus Amsterdam berichtet habe ich für „Sonne Wind & Wärme“ sowie energate.


WindEurope-Konferenz in Amsterdam - Herbst-Blues

Vom 28. bis zum 30. November fand in Amsterdam die WindEurope Conference & Exhibition statt. Die Veranstaltung des europäischen Windenergie-Verbandes WindEurope zählt zu den wichtigsten Branchentreffs des Jahres, zumindest wenn man nach den nackten Zahlen geht. 7.300 Teilnehmer und 300 Aussteller vermeldet der Verband nach der Veranstaltung.

Die meistdiskutierte Zahl der WindEurope-Konferenz in Amsterdam aber war die 35. Am Morgen des ersten Veranstaltungstages hatte der Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments ein neues verbindliches Erneuerbare-Energien-Ziel für die Zeit nach 2020 ausgegeben. Demnach sollen bis 2030 35 % des Energieverbrauchs in der EU durch erneuerbare Energie gedeckt werden. In der Januarsitzung des Europäischen Parlaments soll ein entsprechender Beschluss verabschiedet werden.

In einem gemeinsamen Statement der Veranstaltungs-Botschafter Hans-Dieter Kettwig (Enercon), Markus Tacke (Siemens Gamesa), Gunnar Goebel (Vattenfall) und Andreas Runevard (Vestas) zeigten sich führende Branchenvertreter in Amsterdam zufrieden mit der Zielmarke: „Dieses Ziel sichert unsere weltweite Marktführerschaft in den kommenden Jahren“, schrieben sie.

Diesen Optimismus teilten in Amsterdam längst nicht alle. Nicht Wenigen gehen die Ziele nicht weit genug, sind die 35 % nicht ambitioniert genug. Kritik gab es aber auch an den nationalen Ausgestaltungen, gerade in Deutschland. WindEurope-CEO Giles Dickson fand dafür klare Worte: „Der Deckel muss weg. Wir können nicht akzeptieren, dass es zu einem Ausbaustopp kommt. 2,8 GW sind zu wenig.“

Neue Märkte

Weil Deutschland nicht der einzige etablierte Markt ist, der aktuell ausgebremst wird, hat sich die WindEurope-Konferenz in Amsterdam inhaltlich dieses Jahr vor allem jenseits der klassischen europäischen Märkte wie Deutschland, Dänemark oder Großbritannien positioniert. Stattdessen erhielten aufstrebende neue Märkte eine Chance, sich in Szene zu setzen. Estland zum Beispiel. Oder Litauen.

13 % des Stromverbrauchs in Litauen werden aktuell durch erneuerbare Energien gedeckt. Und dafür sorgt ausschließlich Windenergie. Zygimantas Vaiciunas, Energieminister des baltischen Landes, stellt mehr in Aussicht: „2030 sollen 30 bis 40 % unseres Stromverbrauchs grün sein“, sagt er. Noch ambitionierter sind die Pläne des Nachbarn Estland. Auch dieses Land war in Amsterdam mit politischen Vertretern präsent. „Es ist ein klares Zeichen, dass zwei der drei baltischen Staaten hier auf dem Podium der Eröffnungs-Pressekonferenz vertreten sind“, sagte Estlands Staatssekretär für Energie, Ando Leppiman.

Sein Land hat es von 0 % Erneuerbare-Energien-Anteil 2000 bereits 2017 auf 17 % geschafft. Bis 2030 sollen es ambitionierte 50 % sein, die durchaus in Reichweite scheinen, wenn man die Geschwindigkeit des bisherigen Ausbaus berücksichtigt. Die dagegen tatsächlich schwächlich anmutende europaweite Zielmarke von 35 % empfindet Leppiman für die Ambitionen seines eigenen Landes nicht als Bremsklotz. Wichtiger als eine Zielmarke seien sowieso die konkreten Marktausgestaltungen in den einzelnen Ländern. Und darin zumindest waren sich alle Marktteilnehmer in Amsterdam einig.

Aus Amsterdam berichtet habe ich für „Sonne Wind & Wärme“ sowie energate messenger.